Montag, 15. Februar 2010

Neue Fotos

Grüß euch,

Vorletztes Wochenende sind wir mal wieder in die Pampa gerauscht - durch einen knietiefen Fluss gefahren und haben anschließend am menschenleeren Strand gezeltet.

War wunderschön. Hier sind ein paar Bilder von unserem Ausflug: andi-iris.jalbum.com



Viel Spaß mit den Fotos,

Andreas & Iris

Freitag, 12. Februar 2010

Der Padre und die Bücher...

Halli Hallo nach Österreich (oder wo gerade gelesen wird),

nachdem es auf der Uni grad ein paar entscheidende Gespräche, Momente und Meetings gab werd ich euch nun auch einweihen und ein paar Geschichten aus dem Uni-Alltag und meiner Arbeit geben.

In den letzten Monaten war ich eigentlich ständig am werkeln mit Domingos, meinem Counterpart/Kollegen. Er ist schon seit einigen Jahren auf der Uni, begonnen hat er in der Bibliothek und nun macht er die Buchhaltung der ganzen Fakultät - tja, Wall-Street-Manager beginnen als Tellerwäscher, Buchhalter in Mosambik eben als Bibliothekare (gilt im übrigen auch für den Buchhalter der Faculdade economia).

Der Buchhaltungsbegriff ist jedoch hier in Mosambik auf der Uni etwas anders zu sehen als in Europa - und dann doch wieder nicht.
Ja, die Arbeit selbst läuft gleich ab (dank meiner Vorgängerin Irmi, die exzellente Arbeit in der Belegorganisation geleistet hat).
Rechnung kommt rein, wird in den Computer gebucht, Belegnummer drauf und ab ins Regal. Für Personalabrechnungen werden wunderbare Formulare verwendet, die Nebenkosten (stolze 3% Sozialversicherung...!) abgerechnet und der Auszahlungsbetrag ermittelt, dann per Bankanweisung auf die Gehaltskonten der Mitarbeiter und Dozenten gebucht. Manche bekommen einen Scheck - im übrigen läuft extrem viel hier über Schecks, ich hab bisher in meinem Leben genau 1 (einen) Scheck von meiner Oma eingelöst... Im übrigen sind diese Dinger lästig in der Buchhaltung.

Domingos macht die ganze Buchhaltung wirklich sauber und gewissenhaft, habe echt Glück ihn als Counterpart zu haben. Es gibt zwar hier und da noch Aufholbedarf und Potentiale, aber im groben und ganzen läuft die Buchhaltung echt auf einem hohen Niveau.

Und warum bin ich dann hier?

Diese Frage hab ich mir schon vor ein paar Monaten gestellt, die ersten Monate sind zur Orientierung und Evaluierung gedacht, nach 4-5 Monaten werden die Projektziele der Entwicklungszusammenarbeit in der Regel validiert und ggfs. neu definiert.
Dies macht durchaus Sinn, und somit hab ich mir schon die einen oder anderen Gedanken gemacht, wohin es einerseits mit der Uni und darausfolgernd mit mir geht, buchhaltungstechnisch.

Nachdem man sich auf die Daten der Buchhaltung halbwegs verlassen kann würde nun der nächste Schritt kommen müssen. Und der ist diese Daten zu nutzen und ein Steuerungsinstrument darauf aufzubauen, also das, was weitgehend als Controllingsystem oder Unternehmenssteuerung verstanden wird. Die jetzige Buchhaltung schmeißt alles in einen großen Topf, rührt im Laufe des Jahres ein paar mal um und hofft dann, dass am Ende des Jahres nix anbrennt und die Suppe nicht versalzen ist.
Laufende Berichte gibts nicht, ein Budget wurde noch nie gemacht. Wenn Geld für was gebraucht wird, wird es meist ausgegeben. Wenn dann plötzlich am Bankkonto kein Geld mehr da ist schreien alle entweder auf und rennen zum Vizerektor, der je nach Laune entweder die Tür vor der Nase zuschlägt oder schnell mal ein paar Tausend Dollar aufs Konto überweist.


Padre Ponsi (kommt aus Italien) ist hier quasi der Chef, und das nicht weil er auf dem Posten des Vizerektors sitzt (also offiziell gar nicht der Chef ist).
Er ist der Chef weil er die ganze Uni aufgebaut hat, damals, 1996 - nachdem er angeblich 1992 bei der Unterzeichnung des mosambikanischen Friedensvertrags in Rom persönlich anwesend war).
Er ist der Chef weil er alles weiß was auf der Uni läuft, weil er jeden kennt, jeden Scheck unterzeichnet, alle Fäden in der Hand hält.
Und er ist der Chef weil er 79 Jahre alt ist und eben ein weiser Mann ist.

Er ist allerdings auch der Chef weil er jeden, der nicht nach seiner Pfeife tanzt, gnadenlos niedermacht, anschreit und mit den Fäusten auf den Tisch haut.

Jedes Gespräch mit ihm gleicht einer Prüfung, jedesmal wenn mit ihm über sachliche Dinge gesprochen wird muss man aufpassen, ja nicht das Falsche zu sagen und damit das Gespräch in eine Richtung zu bringen, aus der man ohne blaue Flecken nicht rauskommt.
Einmal mehr bin ich froh über meine bisherige Erfahrung aus dem Beratungsgeschäft, ich hatte in der Vergangenheit schon desöfteren heikle Kunden aber Ponsi ist echt eine Herausforderung... pfff
Die wenigen Begegnungen und Diskussionen waren mir Lehre genug, ihm mit gepolsterten Samthandschuhen zu begegnen.

Diese Woche nun ist meine Frist abgelaufen, also die Eingewöhnungsphase und Orientierung, daher wurde nun ein Termin mit Ponsi, Personalchef, meinem Horizont3000-Chef und Domingos angesetzt.
Sinnigerweise wurde das Kündigungsgespräch eines Kollegen genau vor meinem Termin angesetzt, was mir im Vorfeld schon etwas Kopfzerbrechen gemacht hat.
Das Meeting selbst dauerte knapp 40min, ein paar Handouts ausgeteilt, die bisherigen Aktivitäten besprochen und Vorschläge gemacht, was wir in Zukunft machen könnten. Ich habe nun die klare Anweisung bekommen, die Fakultät finanztechnisch zu zerlegen und ein durchgängiges Controllingkonzept umzusetzen, Ponsi will die Kurskosten wissen und eine ordentliche Budgetplanung haben.

Mir fiel einerseits ein Stein vom Herzen, meine Arbeit bisher wurde positiv gesehen und er gibt mir mit diesem Auftrag nun den Freibrief, dieses Vorhaben umzusetzen. Mich selbst reizt dieser Auftrag sehr, weils sicherlich extrem spannend werden kann. Vermutlich auch sehr mühsam, die Uni in eine Organisationsstruktur zu stecken bzw. überhaupt erst zu verstehen, was wo wie funktioniert.
Ich stell mir die Aufgabe in etwa so vor:
Man steht vor einem fertigen Haus, baut ein Baugerüst rundherum, zeichnet einen Bauplan und errechnet sich aus was das ganze kostet...
Ich bin gespannt wie sich das Projekt konrekt gestalten wird, wie lang ich überhaupt dafür brauchen werde. Ehrlich gesagt bin ich skeptisch ob sich das ganze überhaupt in zwei Jahren verwirklichen lässt. Aber mal sehen, die Aufgabe ist jedenfalls extrem spannend und ich hab genug zu tun.

Ich hätt mir nicht im geringsten erwartet, einerseits in einem Traumland zu arbeiten und andererseits eine Aufgabe zu haben, die richtig interessant und auch auf der sachlichen Ebene extrem interessant ist.

Apropos Traumland: demnächst gibts wieder neue Fotos, waren letztes Wochenende in einem Fischerdorf am Strand zelten - bezaubernd...

Würd mich freuen auch mal wieder von euch zu hören!

Liebe Grüße,

Andreas

Mittwoch, 27. Januar 2010

Es ist heiß...

und wie... Ich hab ja schon vor einigen Monaten über die Hitze gesudert, aber was wir derzeit erleben ist echt zach.

Eigentlich hätte Anfang Dezember die Regenzeit beginnen sollen, einhergehend mit regelmäßigen Regenschauern wie es ja die Bezeichnung "Regenzeit" vermuten lassen würde.
Der einzige Regen seit Anfang Dezember kommt jedoch zustande, wenn ich mir mit den Händen die Stirn abwische und sie dann abschüttle...

Tagestemeperaturen zwischen 30 und 35°, dazu 60-80% Luftfeuchte - laut Heat-Index gefühlte Temperaturen jenseits der 40°.
Selbst in der Nacht wirds nimma kälter, 28° ist so das Minimum. Allerdings bietet die Lage und Architektur unseres Hauses noch ein wenig Schutz, es weht meistens ein kleines Lüfterl und zieht dabei durch die ganze Wohnung - manche Kollegen schlafen mittlerweile auf Campingunterlagen unterm Moskitonetz am Balkon weils drinnen nicht mehr geht. Auch zwei Nachbarn im Hof haben ihr Schlafzimmer an die "frische" Luft verlegt:



In der letzten Woche bin ich jeden Tag schweißnass aufgewacht, der Kopfpolster und die Leintücher (ja, mehrere - aber unter mir...) komplett durchgeschwitzt. Mehrmaliges Duschen pro Tag ist schon fast usus.

Abseits der körperlichen Beeinträchtigung fällt auch das Arbeiten und Konzentrieren schwer. Die weitaus schlimmste Auswirkung aber hat das Wetter auf die hiesige Landwirtschaft.
Wenn es nicht bald regnet wird eine massive Hungersnot befürchtet. Hoffen wir das Beste, immerhin kündigt die Wettervorschau seit einer Woche regelmäßig Regen an - gekommen ist bisher noch keiner.
Aber die Hoffnung auf Regen bleibt.


Alles Liebe aus der Sauna,

Andreas

Donnerstag, 14. Januar 2010

Urlaub in Tofo, Inhambane

Hallo mal wieder,

ich hab euch grad ein paar neue Fotos raufgeladen - wir waren Weihnachten in Tofo, Inhambane.
Der Süden Mosambiks ist touristisch relativ gut erschlossen, in einigen kleinen Ortschaften und Städten haben sich viele ausländische Investoren - vor allem Südafrikaner - niedergelassen und Hotels, Resorts oder Bungalows aufgezogen.
Wir waren allerdings wiedermal campen - ist einfach am gemütlichsten und mit Hund immer wieder lustig.

Diese Region eignet sich gut zum Urlaub machen, wenn auch nach unserem Geschmack nicht in der Hauptsaison da echt zuviele Touristen dort aufkreuzen. Google spuckt auch einiges zu den folgenden Destinationen aus: Vilanculo - Bazaruto - Tofo - Inhambane - Xai-Xai .

Viel Spaß mit den Fotos, vielleicht kommt der eine oder andere ja auf den Geschmack! :-)

http://www.flickr.com/photos/ratzi/sets/72157623207828538/

Liebe Grüße,

Andreas

Sonntag, 3. Januar 2010

Caminho de Trabalho - der Weg zur Arbeit

Hallo und Willkommen im neuen Jahrzehnt!

Kürzlich hab ich per mail mal meinen Weg zur Uni beschrieben, dabei hab ich mir gedacht es wärs doch mal wert das ganze fotografisch zu dokumentieren.
Daher hier der Link zu unserer mittlerweile ganz schön umfangreichen online-Fotogalerie zum Set "Caminho de Trabalho" - wie üblich mit Kommentaren zu den Fotos :-)
http://www.flickr.com/photos/ratzi/sets/72157623126903582/

Viel Spaß beim Schmökern!

Andreas

Mittwoch, 30. Dezember 2009

Musik aus Mosambik & Simbabwe zum Reinhören

Hallo!

schon relativ bald haben wir uns für die Wohnung ein kleines Radio zugelegt, um ein wenig die lokalen Sender hören zu können. Musik gehört hier zum Lebensgefühl, auf den Märkten und in den Bairros tönt es überall her. Musik wird auch verkauft, in MOZ gibts zwar keine Plattenläden aber die Musik kommt als gebrannte CD über die Straßenhändler und auf den Märkten ausgestellt zu den Hörern.
Hier ein paar Hörproben aus kürzlich erworbenen Straßenkäufen:

http://www.easy-share.com/1908873338/Music Upload.zip
(ca. 60MB)

Einigen von euch haben wir ja schon von einem unserer Lieblingsplätze erzählt, die GALP-Tankstelle bei Estoril. Dort gibts neben Futter fürs Auto auch ein nettes Restaurant, mit einfacher aber ausgezeichneter Kost. Nebenher läuft dort meist großartige Musik, die ich mir ebenfalls mal kopiert aber noch nicht aussortiert hab.
Einen großen Anteil der musikalischen Stücke bilden nämlich die Fadas, portugiesische Schnulzen - eher nicht mein Fall.
Die Mosambikaner aber lieben diese langsamen Stücke ebenso wie die restliche meist sehr rhythmische Musik. Sogar in der Disco werden drei, vier schnelle Stücke gespielt (viel HipHop, Reggae und etwas billiger Techno) und dazwischen ein langsamer Fado.
Scheinbar gibts hier in den Tanzlokalen ein ungeschriebenes Gesetz, tanzt man länger als 3 Stücke mit der/dem selben Partner eng so gilt das als Einladung zu etwas mehr ;-)
Wohlweislich wird daher in den Discos diese Anbahnungsmöglichkeit ein Riegel vorgeschoben und jeweils nur ein Stück langsam gespielt...

Nun denn, viel Spaß beim Hören und wenn es Bedarf für mehr gibt einfach melden!

Liebe Grüße,

Andreas

Samstag, 5. Dezember 2009

Ein Land im Dornröschenschlaf ....

Zimbabwe

Gleich nach der Grenze zu Mosambik merkt man, dass man sich in einer anderen Welt befindet. So eigenartig das klingen mag, auf mich wirkt Zimbabwe manchmal wie ein Märchenland. Umso verwunderlicher ist es, dass sich der Tourismus nach der Hyperinflation noch nicht erholt hat.

Bei unseren beiden kurzen Reisen (Ende September 09 und Ende November 09) in die Grenzregion haben wir das Reisen in Zimbabwe sehr einfach erlebt. Die Strukturen haben sich gut erhalten und sind um vieles besser entwickelt als in Mosambik. Die Leute sind sehr freundlich, der britische Einfluss der Kolonialzeit ist überall präsent. Es gibt einige „Inseln“ britischstämmiger Weißer, die einladen zum Genießen wie z.B. Tony’s Coffeeshop, in den Straßen Mutares fällt man als Weißer aber auf. Positiv fällt auf, dass in den Geschäften fast ausschließlich Afrikaner einkaufen, was auf eine bestehende schwarze Mittelschicht hinweißt.

Da wir das ganze Geld großteils in einzelnen Dollarnoten bis maximal 20-Dollarnoten aus Mosambik mitgebracht haben, gibt es kein Problem beim Wechseln. Statt Wechselgeld gibt die Kassiererin beim Spar ein paar Zuckerln oder man kann sich zum entsprechenden Wert Süßigkeiten aussuchen.
Vor der Einführung des US-Dollars (im Feb. 2009) hatten die Banknoten Zimbabwes Billionenbeträge und ein Ablaufdatum aufgedruckt. Kaufen konnte man darum oft nicht mehr als ein Cola.

Die Natur in Zimbabwe ist ein besonderer Genuss. Im September haben uns die üppig lila blühenden Jacarandabäume überrascht. In Mutare gibt es unzählige Alleen davon, die die ganze Stadt Ende September in lila Farbe hüllten. Das besondere Highlight dieser Reise waren, neben dem Mount Nyangani und dem Nyangapark die Früchte, die uns am Eingang zu Juliasdale von den Einheimischen angeboten wurden. Als wir stoppten, um uns die Früchte genauer zu besehen, wurden sie uns von allen Seiten durch die Autofenster gereicht. Halb Juliasdale wollte uns seine frische Ernte verkaufen. Da gab es köstliche, frisch gepflückte Marillen, Pfirsiche, Pflaumen, Äpfel.

Am Fußballfeldgroßen Campingplatz mit ausgezeichneter Infrastruktur (Wächter, Warmwasser, ...) waren wir, wie schon letztes Mal im Vumbapark, die einzigen Gäste. Mittlerweilen haben wir die perfekte Campingausrüstung (nur das Zelt müssen wir uns ausleihen, weil es bei der Anreise in Johannesburg verloren gegangen ist) und auf einem Lagerfeuer kann man wunderbare Gerichte zaubern.

Die Berge in Zimbabwe vermitteln uns manchmal den Eindruck, als würden wir gerade durch Österreich fahren. Insbesondere im Nyangapark, wo es sogar Nadelwälder gibt, hatten wir manchmal diesen Eindruck. Wenn man genau schaut, erkennt man natürlich unverkennbar Afrika: Schirmakazien, durch Buschfeuer abgebrannte Waldstücke, weite sanfte Hügeln, ganz andere Flora und Fauna.

Wer jetzt Lust auf dieses Land bekommen hat, den kann ich es (neben Mosambik) nur wärmstens empfehlen. Es gibt in Zimbabwe ja noch ganz viel anderes zu entdecken, wie die gigantischen Viktoriafälle, tolle Naturparks, Felsmalereien, …

Zurück in Beira: hier gibt es nun die ersten Sommergewitter. Nach einigen schwülen und heißen Tagen tut die Abkühlung richtig gut.

Von Advent und Weihnachten merken wir hier keine Spur. Weihnachten werden wir am Strand in Tofu verbringen, wo es um diese Jahreszeit wahrscheinlich auch am angenehmsten sein wird.

Wir freuen uns von euch zu hören!

Ganz liebe Grüße!
Iris & Andreas