Hallo!
Andreas und ich haben die letzten Tage in Vilanculo verbracht. Wir haben uns echt schon riesig gefreut auf ein paar Tage ausspannen. Im Baobab-Resort in Vilanculo sind wir dann auch so richtig auf unsere Kosten gekommen.
Neben tauchen, geburtstagsfeiern und Seele baumeln lassen, hatten wir den Strand (siehe Fotos) die ganze Zeit im Blick. Das heißt: nachdem ein heftiger Regen, dem unser Zelt nicht standhielt, uns veranlasste in ein Chalet mit Meerblick umzuziehen :-).
Andreas tauchte dort dann auch - wieder bei strahlendem Wetter - in sein viertes Lebensjahrzehnt ein.
Wir hoffen es geht euch allen recht gut und freuen uns auf Nachrichten aus der Heimat!
Liebe Grüße!
Iris & Andreas
Mittwoch, 14. April 2010
Mittwoch, 17. März 2010
Projektstart bei MULEIDE
Hallo!
Allerhöchste Zeit, dass ich wieder einmal ein paar Zeilen schreibe!
Ende Jänner ist es nun endlich auch für mich losgegangen. Das lange Warten hat sich gelohnt. Ich arbeite jetzt bei der Frauenrechtsberatungsstelle MULEIDE. Langfristig soll ich da Organisationsberatung machen, mit allem was dazu gehört: Unterstützung bei der Projektentwicklung, Methoden vermitteln, Beratung und Unterstützung beim Qualitätsmanagement, Planung von Kampagnen, ....
Im Großen und Ganzen also ein ziemliches Arbeitsspektrum und alles andere als langweilig, zumindest auf dem Papier. Theoretisch bin ich ziemlich begeistert von meinem Projekt, konnte ich mir die Organisation und das Aufgabenfeld ja auch selbst suchen.
In der Praxis erscheint das eben geschilderte noch weit weg zu sein, der Alltag ist immer noch weit entfernt vom emsigen Schaffen, alles scheint sich vorerst noch in meinem Kopf abzuspielen, wo vorsichtige Strategien ausgebrütet werden, wie am Besten die ersten Arbeitsschritte einzufädeln sind.
Und ganz viel beschäftigt bin ich zurzeit damit mein Sprachdefizit so schnell wie möglich auszugleichen. Ich denke, ich mache Riesenfortschritte, die aber immer noch zu gering sind. Alltagsgespräche funktionieren schon gut. Wenn meine Kolleginnen tratschen, kann ich das Gespräch aber nicht mehr verfolgen, genauso wenig wie ich Planungsgespräche führen kann.
Mein Arbeitstag ist trotzdem (meistens) nicht langweilig.
Fotos von meinem Arbeitsweg gibt’s auf Jalbum (Camino de Trabalho). Den gehe ich nun jeden Tag – meistens zu Fuß. Ich bin ungefähr 20 Minuten unterwegs, der überwiegende Teil des Weges führt mich am Strand entlang. Oft ist es sehr heiß, aber mit Hut und der entsprechenden Geschwindigkeit gehe ich den Weg auch in der Mittagshitze. Die ärgste Hitzeperiode scheint nun aber vorbei zu sein. Die Temperaturen sind nun wieder teilweise sehr angenehm.
Bei MULEIDE sitze ich dann meistens Mitten zwischen unseren Activistas, die die Frauen beraten und unterstützen. Wenn nichts los ist ergibt sich dann das eine oder andere Gespräch und ansonsten kann ich die Beratungsgespräche verfolgen, was ziemlich spannend ist.
Ich hätte mir nicht gedacht, dass die Arbeit von MULEIDE so nahe an der Arbeit unserer Jugendwohlfahrt ist, aber dies konnte ich ziemlich schnell feststellen.
In Mosambik gibt es keine entsprechende Behörde, daher deckt der unabhängige Verein wichtige Aufgaben ab, wie die Regelung von Alimenten, die Mediation bei Familienkonflikten, die Klärung von Obsorgefragen.
Es können sich alle Frauen und Familien an MULEIDE wenden, wenn sie eine rechtliche Beratung brauchen, MULEIDE lädt dann alle Konfliktbeteiligten zu einem Gespräch und
wenn keine außergerichtliche Einigung möglich ist, begleiten die Activistas dann auch die Betroffenen zum Gericht.
Die Beratungstätigkeit ist eine der Hauptaufgabe von MULEIDE. Eigentlich arbeiten die Activistas auch draußen in den Distrikten und machen Kampagnen zur Aufklärung über die Rechte der Frauen. Da zurzeit kein Geld da ist, können diese Aufgaben aber auch nicht verfolgt werden.
Die Rechte der Frauen gehören in Mosambik auf jeden Fall gestärkt – dass ist keine Frage.
Ein Gesetz ist nun mit 1. März 2010 in Kraft getreten, dass Frauen vor Gewalt schützen soll. Dieses Gesetz verbietet nun erstmals auch die Polygame Ehe. Ab sofort ist es also illegal, dass sich Männer wie es die Tradition erlaubt mit mehreren Frauen verehelichen. Das Gesetz stellt nun auch Kinder die nicht im Haushalt des Mannes leben rechtlich gleich, ...
Wobei die Rechte der Frauen in Mosambik auch unterschiedlich wahrgenommen werden.
Während die mosambikanische Mitte (Sofala, Manica) patriachal organisiert ist, ist im Norden das Matriacht traditionell vorherrschend. Der Süden ist wieder ganz anders. Da lässt das moderne Leben in Maputo schon mehr Gleichberechtigung zu.
Von den einzelnen Schicksalen, die sich hinter diesen Gesetzen und Traditionen verbergen, ist jedes aber eine Geschichte für sich. Ich freue mich schon sehr, wenn ich die Fallgeschichten endlich richtig verstehen kann. Aber auch ohne viele Wörter lässt sich die Tragik in manchen Geschichten spüren.
Ich bin erleichtert und froh, endlich eine tolle und spannende berufliche Aufgabe in Mosambik gefunden zu haben. Auch wenn ich merke, dass es weiterhin gilt: viel, viel Geduld haben – mit sich selbst und mit allen anderen Beteiligten.
Andreas und ich halten euch auf dem Laufenden! Wir planen gerade einen kurzen Tauchtrip im April und im Mai machen wir dann unseren ersten längeren Urlaub. Ich denke, da können wir wieder ein paar gute Fotos sammeln.
Wir freuen uns über Nachrichten aus der winterlichen Heimat und wünschen euch viele wunderbare Frühlingstage!
Liebe Grüße!
Iris
Allerhöchste Zeit, dass ich wieder einmal ein paar Zeilen schreibe!
Ende Jänner ist es nun endlich auch für mich losgegangen. Das lange Warten hat sich gelohnt. Ich arbeite jetzt bei der Frauenrechtsberatungsstelle MULEIDE. Langfristig soll ich da Organisationsberatung machen, mit allem was dazu gehört: Unterstützung bei der Projektentwicklung, Methoden vermitteln, Beratung und Unterstützung beim Qualitätsmanagement, Planung von Kampagnen, ....
Im Großen und Ganzen also ein ziemliches Arbeitsspektrum und alles andere als langweilig, zumindest auf dem Papier. Theoretisch bin ich ziemlich begeistert von meinem Projekt, konnte ich mir die Organisation und das Aufgabenfeld ja auch selbst suchen.
In der Praxis erscheint das eben geschilderte noch weit weg zu sein, der Alltag ist immer noch weit entfernt vom emsigen Schaffen, alles scheint sich vorerst noch in meinem Kopf abzuspielen, wo vorsichtige Strategien ausgebrütet werden, wie am Besten die ersten Arbeitsschritte einzufädeln sind.
Und ganz viel beschäftigt bin ich zurzeit damit mein Sprachdefizit so schnell wie möglich auszugleichen. Ich denke, ich mache Riesenfortschritte, die aber immer noch zu gering sind. Alltagsgespräche funktionieren schon gut. Wenn meine Kolleginnen tratschen, kann ich das Gespräch aber nicht mehr verfolgen, genauso wenig wie ich Planungsgespräche führen kann.
Mein Arbeitstag ist trotzdem (meistens) nicht langweilig.
Fotos von meinem Arbeitsweg gibt’s auf Jalbum (Camino de Trabalho). Den gehe ich nun jeden Tag – meistens zu Fuß. Ich bin ungefähr 20 Minuten unterwegs, der überwiegende Teil des Weges führt mich am Strand entlang. Oft ist es sehr heiß, aber mit Hut und der entsprechenden Geschwindigkeit gehe ich den Weg auch in der Mittagshitze. Die ärgste Hitzeperiode scheint nun aber vorbei zu sein. Die Temperaturen sind nun wieder teilweise sehr angenehm.
Bei MULEIDE sitze ich dann meistens Mitten zwischen unseren Activistas, die die Frauen beraten und unterstützen. Wenn nichts los ist ergibt sich dann das eine oder andere Gespräch und ansonsten kann ich die Beratungsgespräche verfolgen, was ziemlich spannend ist.
Ich hätte mir nicht gedacht, dass die Arbeit von MULEIDE so nahe an der Arbeit unserer Jugendwohlfahrt ist, aber dies konnte ich ziemlich schnell feststellen.
In Mosambik gibt es keine entsprechende Behörde, daher deckt der unabhängige Verein wichtige Aufgaben ab, wie die Regelung von Alimenten, die Mediation bei Familienkonflikten, die Klärung von Obsorgefragen.
Es können sich alle Frauen und Familien an MULEIDE wenden, wenn sie eine rechtliche Beratung brauchen, MULEIDE lädt dann alle Konfliktbeteiligten zu einem Gespräch und
wenn keine außergerichtliche Einigung möglich ist, begleiten die Activistas dann auch die Betroffenen zum Gericht.
Die Beratungstätigkeit ist eine der Hauptaufgabe von MULEIDE. Eigentlich arbeiten die Activistas auch draußen in den Distrikten und machen Kampagnen zur Aufklärung über die Rechte der Frauen. Da zurzeit kein Geld da ist, können diese Aufgaben aber auch nicht verfolgt werden.
Die Rechte der Frauen gehören in Mosambik auf jeden Fall gestärkt – dass ist keine Frage.
Ein Gesetz ist nun mit 1. März 2010 in Kraft getreten, dass Frauen vor Gewalt schützen soll. Dieses Gesetz verbietet nun erstmals auch die Polygame Ehe. Ab sofort ist es also illegal, dass sich Männer wie es die Tradition erlaubt mit mehreren Frauen verehelichen. Das Gesetz stellt nun auch Kinder die nicht im Haushalt des Mannes leben rechtlich gleich, ...
Wobei die Rechte der Frauen in Mosambik auch unterschiedlich wahrgenommen werden.
Während die mosambikanische Mitte (Sofala, Manica) patriachal organisiert ist, ist im Norden das Matriacht traditionell vorherrschend. Der Süden ist wieder ganz anders. Da lässt das moderne Leben in Maputo schon mehr Gleichberechtigung zu.
Von den einzelnen Schicksalen, die sich hinter diesen Gesetzen und Traditionen verbergen, ist jedes aber eine Geschichte für sich. Ich freue mich schon sehr, wenn ich die Fallgeschichten endlich richtig verstehen kann. Aber auch ohne viele Wörter lässt sich die Tragik in manchen Geschichten spüren.
Ich bin erleichtert und froh, endlich eine tolle und spannende berufliche Aufgabe in Mosambik gefunden zu haben. Auch wenn ich merke, dass es weiterhin gilt: viel, viel Geduld haben – mit sich selbst und mit allen anderen Beteiligten.
Andreas und ich halten euch auf dem Laufenden! Wir planen gerade einen kurzen Tauchtrip im April und im Mai machen wir dann unseren ersten längeren Urlaub. Ich denke, da können wir wieder ein paar gute Fotos sammeln.
Wir freuen uns über Nachrichten aus der winterlichen Heimat und wünschen euch viele wunderbare Frühlingstage!
Liebe Grüße!
Iris
Mittwoch, 17. Februar 2010
jAlbum
Hallo!
Unsere Bilder gibt's ab sofort unter: andi-iris.jalbum.net
Wer noch mehr Lust auf Eindrücke aus Mosambik hat, kann sich auch die Bilder von Birgit ansehen: birgitreiter.jalbum.net.
Birgit ist Fotografin und lebt gleich in unserer Nachbarschaft . Auf ein paar ihrer Bilder sind auch wir zu finden.
Viel Spaß beim schmöckern!
Liebe Grüße!
Iris & Andreas
Unsere Bilder gibt's ab sofort unter: andi-iris.jalbum.net
Wer noch mehr Lust auf Eindrücke aus Mosambik hat, kann sich auch die Bilder von Birgit ansehen: birgitreiter.jalbum.net.
Birgit ist Fotografin und lebt gleich in unserer Nachbarschaft . Auf ein paar ihrer Bilder sind auch wir zu finden.
Viel Spaß beim schmöckern!
Liebe Grüße!
Iris & Andreas
Montag, 15. Februar 2010
Neue Fotos
Grüß euch,
Vorletztes Wochenende sind wir mal wieder in die Pampa gerauscht - durch einen knietiefen Fluss gefahren und haben anschließend am menschenleeren Strand gezeltet.
War wunderschön. Hier sind ein paar Bilder von unserem Ausflug: andi-iris.jalbum.com
Viel Spaß mit den Fotos,
Andreas & Iris
Vorletztes Wochenende sind wir mal wieder in die Pampa gerauscht - durch einen knietiefen Fluss gefahren und haben anschließend am menschenleeren Strand gezeltet.
War wunderschön. Hier sind ein paar Bilder von unserem Ausflug: andi-iris.jalbum.com
Viel Spaß mit den Fotos,
Andreas & Iris
Freitag, 12. Februar 2010
Der Padre und die Bücher...
Halli Hallo nach Österreich (oder wo gerade gelesen wird),
nachdem es auf der Uni grad ein paar entscheidende Gespräche, Momente und Meetings gab werd ich euch nun auch einweihen und ein paar Geschichten aus dem Uni-Alltag und meiner Arbeit geben.
In den letzten Monaten war ich eigentlich ständig am werkeln mit Domingos, meinem Counterpart/Kollegen. Er ist schon seit einigen Jahren auf der Uni, begonnen hat er in der Bibliothek und nun macht er die Buchhaltung der ganzen Fakultät - tja, Wall-Street-Manager beginnen als Tellerwäscher, Buchhalter in Mosambik eben als Bibliothekare (gilt im übrigen auch für den Buchhalter der Faculdade economia).
Der Buchhaltungsbegriff ist jedoch hier in Mosambik auf der Uni etwas anders zu sehen als in Europa - und dann doch wieder nicht.
Ja, die Arbeit selbst läuft gleich ab (dank meiner Vorgängerin Irmi, die exzellente Arbeit in der Belegorganisation geleistet hat).
Rechnung kommt rein, wird in den Computer gebucht, Belegnummer drauf und ab ins Regal. Für Personalabrechnungen werden wunderbare Formulare verwendet, die Nebenkosten (stolze 3% Sozialversicherung...!) abgerechnet und der Auszahlungsbetrag ermittelt, dann per Bankanweisung auf die Gehaltskonten der Mitarbeiter und Dozenten gebucht. Manche bekommen einen Scheck - im übrigen läuft extrem viel hier über Schecks, ich hab bisher in meinem Leben genau 1 (einen) Scheck von meiner Oma eingelöst... Im übrigen sind diese Dinger lästig in der Buchhaltung.
Domingos macht die ganze Buchhaltung wirklich sauber und gewissenhaft, habe echt Glück ihn als Counterpart zu haben. Es gibt zwar hier und da noch Aufholbedarf und Potentiale, aber im groben und ganzen läuft die Buchhaltung echt auf einem hohen Niveau.
Und warum bin ich dann hier?
Diese Frage hab ich mir schon vor ein paar Monaten gestellt, die ersten Monate sind zur Orientierung und Evaluierung gedacht, nach 4-5 Monaten werden die Projektziele der Entwicklungszusammenarbeit in der Regel validiert und ggfs. neu definiert.
Dies macht durchaus Sinn, und somit hab ich mir schon die einen oder anderen Gedanken gemacht, wohin es einerseits mit der Uni und darausfolgernd mit mir geht, buchhaltungstechnisch.
Nachdem man sich auf die Daten der Buchhaltung halbwegs verlassen kann würde nun der nächste Schritt kommen müssen. Und der ist diese Daten zu nutzen und ein Steuerungsinstrument darauf aufzubauen, also das, was weitgehend als Controllingsystem oder Unternehmenssteuerung verstanden wird. Die jetzige Buchhaltung schmeißt alles in einen großen Topf, rührt im Laufe des Jahres ein paar mal um und hofft dann, dass am Ende des Jahres nix anbrennt und die Suppe nicht versalzen ist.
Laufende Berichte gibts nicht, ein Budget wurde noch nie gemacht. Wenn Geld für was gebraucht wird, wird es meist ausgegeben. Wenn dann plötzlich am Bankkonto kein Geld mehr da ist schreien alle entweder auf und rennen zum Vizerektor, der je nach Laune entweder die Tür vor der Nase zuschlägt oder schnell mal ein paar Tausend Dollar aufs Konto überweist.
Padre Ponsi (kommt aus Italien) ist hier quasi der Chef, und das nicht weil er auf dem Posten des Vizerektors sitzt (also offiziell gar nicht der Chef ist).
Er ist der Chef weil er die ganze Uni aufgebaut hat, damals, 1996 - nachdem er angeblich 1992 bei der Unterzeichnung des mosambikanischen Friedensvertrags in Rom persönlich anwesend war).
Er ist der Chef weil er alles weiß was auf der Uni läuft, weil er jeden kennt, jeden Scheck unterzeichnet, alle Fäden in der Hand hält.
Und er ist der Chef weil er 79 Jahre alt ist und eben ein weiser Mann ist.
Er ist allerdings auch der Chef weil er jeden, der nicht nach seiner Pfeife tanzt, gnadenlos niedermacht, anschreit und mit den Fäusten auf den Tisch haut.
Jedes Gespräch mit ihm gleicht einer Prüfung, jedesmal wenn mit ihm über sachliche Dinge gesprochen wird muss man aufpassen, ja nicht das Falsche zu sagen und damit das Gespräch in eine Richtung zu bringen, aus der man ohne blaue Flecken nicht rauskommt.
Einmal mehr bin ich froh über meine bisherige Erfahrung aus dem Beratungsgeschäft, ich hatte in der Vergangenheit schon desöfteren heikle Kunden aber Ponsi ist echt eine Herausforderung... pfff
Die wenigen Begegnungen und Diskussionen waren mir Lehre genug, ihm mit gepolsterten Samthandschuhen zu begegnen.
Diese Woche nun ist meine Frist abgelaufen, also die Eingewöhnungsphase und Orientierung, daher wurde nun ein Termin mit Ponsi, Personalchef, meinem Horizont3000-Chef und Domingos angesetzt.
Sinnigerweise wurde das Kündigungsgespräch eines Kollegen genau vor meinem Termin angesetzt, was mir im Vorfeld schon etwas Kopfzerbrechen gemacht hat.
Das Meeting selbst dauerte knapp 40min, ein paar Handouts ausgeteilt, die bisherigen Aktivitäten besprochen und Vorschläge gemacht, was wir in Zukunft machen könnten. Ich habe nun die klare Anweisung bekommen, die Fakultät finanztechnisch zu zerlegen und ein durchgängiges Controllingkonzept umzusetzen, Ponsi will die Kurskosten wissen und eine ordentliche Budgetplanung haben.
Mir fiel einerseits ein Stein vom Herzen, meine Arbeit bisher wurde positiv gesehen und er gibt mir mit diesem Auftrag nun den Freibrief, dieses Vorhaben umzusetzen. Mich selbst reizt dieser Auftrag sehr, weils sicherlich extrem spannend werden kann. Vermutlich auch sehr mühsam, die Uni in eine Organisationsstruktur zu stecken bzw. überhaupt erst zu verstehen, was wo wie funktioniert.
Ich stell mir die Aufgabe in etwa so vor:
Man steht vor einem fertigen Haus, baut ein Baugerüst rundherum, zeichnet einen Bauplan und errechnet sich aus was das ganze kostet...
Ich bin gespannt wie sich das Projekt konrekt gestalten wird, wie lang ich überhaupt dafür brauchen werde. Ehrlich gesagt bin ich skeptisch ob sich das ganze überhaupt in zwei Jahren verwirklichen lässt. Aber mal sehen, die Aufgabe ist jedenfalls extrem spannend und ich hab genug zu tun.
Ich hätt mir nicht im geringsten erwartet, einerseits in einem Traumland zu arbeiten und andererseits eine Aufgabe zu haben, die richtig interessant und auch auf der sachlichen Ebene extrem interessant ist.
Apropos Traumland: demnächst gibts wieder neue Fotos, waren letztes Wochenende in einem Fischerdorf am Strand zelten - bezaubernd...
Würd mich freuen auch mal wieder von euch zu hören!
Liebe Grüße,
Andreas
nachdem es auf der Uni grad ein paar entscheidende Gespräche, Momente und Meetings gab werd ich euch nun auch einweihen und ein paar Geschichten aus dem Uni-Alltag und meiner Arbeit geben.
In den letzten Monaten war ich eigentlich ständig am werkeln mit Domingos, meinem Counterpart/Kollegen. Er ist schon seit einigen Jahren auf der Uni, begonnen hat er in der Bibliothek und nun macht er die Buchhaltung der ganzen Fakultät - tja, Wall-Street-Manager beginnen als Tellerwäscher, Buchhalter in Mosambik eben als Bibliothekare (gilt im übrigen auch für den Buchhalter der Faculdade economia).
Der Buchhaltungsbegriff ist jedoch hier in Mosambik auf der Uni etwas anders zu sehen als in Europa - und dann doch wieder nicht.
Ja, die Arbeit selbst läuft gleich ab (dank meiner Vorgängerin Irmi, die exzellente Arbeit in der Belegorganisation geleistet hat).
Rechnung kommt rein, wird in den Computer gebucht, Belegnummer drauf und ab ins Regal. Für Personalabrechnungen werden wunderbare Formulare verwendet, die Nebenkosten (stolze 3% Sozialversicherung...!) abgerechnet und der Auszahlungsbetrag ermittelt, dann per Bankanweisung auf die Gehaltskonten der Mitarbeiter und Dozenten gebucht. Manche bekommen einen Scheck - im übrigen läuft extrem viel hier über Schecks, ich hab bisher in meinem Leben genau 1 (einen) Scheck von meiner Oma eingelöst... Im übrigen sind diese Dinger lästig in der Buchhaltung.
Domingos macht die ganze Buchhaltung wirklich sauber und gewissenhaft, habe echt Glück ihn als Counterpart zu haben. Es gibt zwar hier und da noch Aufholbedarf und Potentiale, aber im groben und ganzen läuft die Buchhaltung echt auf einem hohen Niveau.
Und warum bin ich dann hier?
Diese Frage hab ich mir schon vor ein paar Monaten gestellt, die ersten Monate sind zur Orientierung und Evaluierung gedacht, nach 4-5 Monaten werden die Projektziele der Entwicklungszusammenarbeit in der Regel validiert und ggfs. neu definiert.
Dies macht durchaus Sinn, und somit hab ich mir schon die einen oder anderen Gedanken gemacht, wohin es einerseits mit der Uni und darausfolgernd mit mir geht, buchhaltungstechnisch.
Nachdem man sich auf die Daten der Buchhaltung halbwegs verlassen kann würde nun der nächste Schritt kommen müssen. Und der ist diese Daten zu nutzen und ein Steuerungsinstrument darauf aufzubauen, also das, was weitgehend als Controllingsystem oder Unternehmenssteuerung verstanden wird. Die jetzige Buchhaltung schmeißt alles in einen großen Topf, rührt im Laufe des Jahres ein paar mal um und hofft dann, dass am Ende des Jahres nix anbrennt und die Suppe nicht versalzen ist.
Laufende Berichte gibts nicht, ein Budget wurde noch nie gemacht. Wenn Geld für was gebraucht wird, wird es meist ausgegeben. Wenn dann plötzlich am Bankkonto kein Geld mehr da ist schreien alle entweder auf und rennen zum Vizerektor, der je nach Laune entweder die Tür vor der Nase zuschlägt oder schnell mal ein paar Tausend Dollar aufs Konto überweist.
Padre Ponsi (kommt aus Italien) ist hier quasi der Chef, und das nicht weil er auf dem Posten des Vizerektors sitzt (also offiziell gar nicht der Chef ist).
Er ist der Chef weil er die ganze Uni aufgebaut hat, damals, 1996 - nachdem er angeblich 1992 bei der Unterzeichnung des mosambikanischen Friedensvertrags in Rom persönlich anwesend war).
Er ist der Chef weil er alles weiß was auf der Uni läuft, weil er jeden kennt, jeden Scheck unterzeichnet, alle Fäden in der Hand hält.
Und er ist der Chef weil er 79 Jahre alt ist und eben ein weiser Mann ist.
Er ist allerdings auch der Chef weil er jeden, der nicht nach seiner Pfeife tanzt, gnadenlos niedermacht, anschreit und mit den Fäusten auf den Tisch haut.
Jedes Gespräch mit ihm gleicht einer Prüfung, jedesmal wenn mit ihm über sachliche Dinge gesprochen wird muss man aufpassen, ja nicht das Falsche zu sagen und damit das Gespräch in eine Richtung zu bringen, aus der man ohne blaue Flecken nicht rauskommt.
Einmal mehr bin ich froh über meine bisherige Erfahrung aus dem Beratungsgeschäft, ich hatte in der Vergangenheit schon desöfteren heikle Kunden aber Ponsi ist echt eine Herausforderung... pfff
Die wenigen Begegnungen und Diskussionen waren mir Lehre genug, ihm mit gepolsterten Samthandschuhen zu begegnen.
Diese Woche nun ist meine Frist abgelaufen, also die Eingewöhnungsphase und Orientierung, daher wurde nun ein Termin mit Ponsi, Personalchef, meinem Horizont3000-Chef und Domingos angesetzt.
Sinnigerweise wurde das Kündigungsgespräch eines Kollegen genau vor meinem Termin angesetzt, was mir im Vorfeld schon etwas Kopfzerbrechen gemacht hat.
Das Meeting selbst dauerte knapp 40min, ein paar Handouts ausgeteilt, die bisherigen Aktivitäten besprochen und Vorschläge gemacht, was wir in Zukunft machen könnten. Ich habe nun die klare Anweisung bekommen, die Fakultät finanztechnisch zu zerlegen und ein durchgängiges Controllingkonzept umzusetzen, Ponsi will die Kurskosten wissen und eine ordentliche Budgetplanung haben.
Mir fiel einerseits ein Stein vom Herzen, meine Arbeit bisher wurde positiv gesehen und er gibt mir mit diesem Auftrag nun den Freibrief, dieses Vorhaben umzusetzen. Mich selbst reizt dieser Auftrag sehr, weils sicherlich extrem spannend werden kann. Vermutlich auch sehr mühsam, die Uni in eine Organisationsstruktur zu stecken bzw. überhaupt erst zu verstehen, was wo wie funktioniert.
Ich stell mir die Aufgabe in etwa so vor:
Man steht vor einem fertigen Haus, baut ein Baugerüst rundherum, zeichnet einen Bauplan und errechnet sich aus was das ganze kostet...
Ich bin gespannt wie sich das Projekt konrekt gestalten wird, wie lang ich überhaupt dafür brauchen werde. Ehrlich gesagt bin ich skeptisch ob sich das ganze überhaupt in zwei Jahren verwirklichen lässt. Aber mal sehen, die Aufgabe ist jedenfalls extrem spannend und ich hab genug zu tun.
Ich hätt mir nicht im geringsten erwartet, einerseits in einem Traumland zu arbeiten und andererseits eine Aufgabe zu haben, die richtig interessant und auch auf der sachlichen Ebene extrem interessant ist.
Apropos Traumland: demnächst gibts wieder neue Fotos, waren letztes Wochenende in einem Fischerdorf am Strand zelten - bezaubernd...
Würd mich freuen auch mal wieder von euch zu hören!
Liebe Grüße,
Andreas
Mittwoch, 27. Januar 2010
Es ist heiß...
und wie... Ich hab ja schon vor einigen Monaten über die Hitze gesudert, aber was wir derzeit erleben ist echt zach.
Eigentlich hätte Anfang Dezember die Regenzeit beginnen sollen, einhergehend mit regelmäßigen Regenschauern wie es ja die Bezeichnung "Regenzeit" vermuten lassen würde.
Der einzige Regen seit Anfang Dezember kommt jedoch zustande, wenn ich mir mit den Händen die Stirn abwische und sie dann abschüttle...
Tagestemeperaturen zwischen 30 und 35°, dazu 60-80% Luftfeuchte - laut Heat-Index gefühlte Temperaturen jenseits der 40°.
Selbst in der Nacht wirds nimma kälter, 28° ist so das Minimum. Allerdings bietet die Lage und Architektur unseres Hauses noch ein wenig Schutz, es weht meistens ein kleines Lüfterl und zieht dabei durch die ganze Wohnung - manche Kollegen schlafen mittlerweile auf Campingunterlagen unterm Moskitonetz am Balkon weils drinnen nicht mehr geht. Auch zwei Nachbarn im Hof haben ihr Schlafzimmer an die "frische" Luft verlegt:

In der letzten Woche bin ich jeden Tag schweißnass aufgewacht, der Kopfpolster und die Leintücher (ja, mehrere - aber unter mir...) komplett durchgeschwitzt. Mehrmaliges Duschen pro Tag ist schon fast usus.
Abseits der körperlichen Beeinträchtigung fällt auch das Arbeiten und Konzentrieren schwer. Die weitaus schlimmste Auswirkung aber hat das Wetter auf die hiesige Landwirtschaft.
Wenn es nicht bald regnet wird eine massive Hungersnot befürchtet. Hoffen wir das Beste, immerhin kündigt die Wettervorschau seit einer Woche regelmäßig Regen an - gekommen ist bisher noch keiner.
Aber die Hoffnung auf Regen bleibt.
Alles Liebe aus der Sauna,
Andreas
Eigentlich hätte Anfang Dezember die Regenzeit beginnen sollen, einhergehend mit regelmäßigen Regenschauern wie es ja die Bezeichnung "Regenzeit" vermuten lassen würde.
Der einzige Regen seit Anfang Dezember kommt jedoch zustande, wenn ich mir mit den Händen die Stirn abwische und sie dann abschüttle...
Tagestemeperaturen zwischen 30 und 35°, dazu 60-80% Luftfeuchte - laut Heat-Index gefühlte Temperaturen jenseits der 40°.
Selbst in der Nacht wirds nimma kälter, 28° ist so das Minimum. Allerdings bietet die Lage und Architektur unseres Hauses noch ein wenig Schutz, es weht meistens ein kleines Lüfterl und zieht dabei durch die ganze Wohnung - manche Kollegen schlafen mittlerweile auf Campingunterlagen unterm Moskitonetz am Balkon weils drinnen nicht mehr geht. Auch zwei Nachbarn im Hof haben ihr Schlafzimmer an die "frische" Luft verlegt:
In der letzten Woche bin ich jeden Tag schweißnass aufgewacht, der Kopfpolster und die Leintücher (ja, mehrere - aber unter mir...) komplett durchgeschwitzt. Mehrmaliges Duschen pro Tag ist schon fast usus.
Abseits der körperlichen Beeinträchtigung fällt auch das Arbeiten und Konzentrieren schwer. Die weitaus schlimmste Auswirkung aber hat das Wetter auf die hiesige Landwirtschaft.
Wenn es nicht bald regnet wird eine massive Hungersnot befürchtet. Hoffen wir das Beste, immerhin kündigt die Wettervorschau seit einer Woche regelmäßig Regen an - gekommen ist bisher noch keiner.
Aber die Hoffnung auf Regen bleibt.
Alles Liebe aus der Sauna,
Andreas
Donnerstag, 14. Januar 2010
Urlaub in Tofo, Inhambane
Hallo mal wieder,
ich hab euch grad ein paar neue Fotos raufgeladen - wir waren Weihnachten in Tofo, Inhambane.
Der Süden Mosambiks ist touristisch relativ gut erschlossen, in einigen kleinen Ortschaften und Städten haben sich viele ausländische Investoren - vor allem Südafrikaner - niedergelassen und Hotels, Resorts oder Bungalows aufgezogen.
Wir waren allerdings wiedermal campen - ist einfach am gemütlichsten und mit Hund immer wieder lustig.
Diese Region eignet sich gut zum Urlaub machen, wenn auch nach unserem Geschmack nicht in der Hauptsaison da echt zuviele Touristen dort aufkreuzen. Google spuckt auch einiges zu den folgenden Destinationen aus: Vilanculo - Bazaruto - Tofo - Inhambane - Xai-Xai .
Viel Spaß mit den Fotos, vielleicht kommt der eine oder andere ja auf den Geschmack! :-)
http://www.flickr.com/photos/ratzi/sets/72157623207828538/
Liebe Grüße,
Andreas
ich hab euch grad ein paar neue Fotos raufgeladen - wir waren Weihnachten in Tofo, Inhambane.
Der Süden Mosambiks ist touristisch relativ gut erschlossen, in einigen kleinen Ortschaften und Städten haben sich viele ausländische Investoren - vor allem Südafrikaner - niedergelassen und Hotels, Resorts oder Bungalows aufgezogen.
Wir waren allerdings wiedermal campen - ist einfach am gemütlichsten und mit Hund immer wieder lustig.
Diese Region eignet sich gut zum Urlaub machen, wenn auch nach unserem Geschmack nicht in der Hauptsaison da echt zuviele Touristen dort aufkreuzen. Google spuckt auch einiges zu den folgenden Destinationen aus: Vilanculo - Bazaruto - Tofo - Inhambane - Xai-Xai .
Viel Spaß mit den Fotos, vielleicht kommt der eine oder andere ja auf den Geschmack! :-)
http://www.flickr.com/photos/ratzi/sets/72157623207828538/
Liebe Grüße,
Andreas
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