Dienstag, 1. Februar 2011

Nachrichten aus Nairobi

Hallo liebe Freunde,

heut abend war eine Kollegin zu Besuch und war sehr aufgelöst über eine beunruhigende Entwicklung in Kenia.
Sie hat dort seit über 10 Jahren in Eigeninitative ein Straßenkinderprojekt mitaufgebaut und betreut es seitdem.
Wie es leider in dieser Ecke der Erde oft der Fall ist, zählen langjähriges Wohnrecht, offizielle Landbesitzurkunden und eine Erfolgsstory der sozialen Arbeit nichts, wenn eine regierungsnahe Organisation Apartmenthäuser in einem Armenviertel aufziehen will.

Über die lokale Tageszeitung wurden die über 15.000 betroffenen Einwohner informiert, innerhalb weniger Tage ihr Hab und Gut einzupacken und das Gebiet zu verlassen, "... für Schäden an Besitztümern oder Körperverletzung im Zuge der Räumung würde man keine Verantwortung übernehmen können" so der weitere Text der Anzeige.
Neben den tausenden betroffenen Familien sind auf dem Areal noch 6 Kirchen, eine Moschee, zwei Krankenhäuser und mehrere Schulen davon betroffen, dem Erdboden gleichgemacht zu werden um Platz für neue Apartmentkomplexe zu schaffen.
Auch das durch Spenden neugebaute Haus des Vereins "Panairobi" ist von der unmittelbaren Zerstörung bedroht, ein Zentrum in dem drei Sozialarbeiter zur Zeit 139 Kinder im Alter von 3-15 Jahren betreuen.

Durch kurzfristig organisierte rechtliche Unterstützung konnte nun zumindest ein Aufschub von ein paar Tagen erreicht werden, um die Rechtmäßigkeit des Landbesitzes mehrerer Einwohner vor Gericht zu klären. Wie die Erfolgsaussichten sind ist jedoch nicht abzusehen.

Nachfolgend noch der offizielle Pressetext von Panairobi, in den nächsten zwei Tagen werden Artikel in der Krone und den Salzburger Nachrichten erscheinen.

Unterstützungserklärungen via Facebook sind ausdrücklich erwünscht, hier der link:
http://de-de.facebook.com/pages/panairobi-verein-fur-strassenkinder-in-nairobi/137848539563138?v=wall

Web:
http://www.panairobi.net/

Pressetext:

Zwangsräumung in einem der größten Slums in Kenia. Salzburger Straßenkinderprojekt panairobi steht vor einer Katastrophe.

Der National Youth Service – ein Arm der kenianischen Regierung – hat am 27.1. durch eine Zeitungsannonce die Bevölkerung in einem Teil des Mathare North Slums aufgefordert, ihre Land sofort zu verlassen. Das bedeutet für ca. 15.000 Menschen die Vertreibung aus ihrem bisherigen Leben. Eine Alternative für die Bewohner wurde nicht gegeben.

Mehr als die Hälfte der Menschen leben in einfachen Wellblechhütten und haben durch Werkstätten, kleine Geschäfte und Bars ihre Lebensgrundlage und eine eigene funktionierende Infrastruktur geschaffen.

Der Salzburger Verein panairobi hat in diesem Gebiet gemeinsam mit Partnern und internationalen Spendern vor mehr als 10 Jahren ein Straßenkinderprojekt gegründet. Seit Beginn konnte erfolgreich mehr als 300 Kindern geholfen werden. Viele der Kinder die durch das Programm gegangen sind, haben nun ihr eigenes Geschäft, haben Arbeit gefunden oder zu studieren begonnen. Vor drei Monaten ist das neue Gebäude fertig geworden um die Kinder und deren Familien noch besser betreuen zu können. Doch nun soll alles aus sein.

Die Sozialarbeiter des Vereins sind gemeinsam mit anderen Grundbesitzern noch am Freitag vor Gericht gegangen und haben vor dem Rathaus von Nairobi demonstriert. Obwohl die Stadtverwaltung alle Dokumente, die den Besitz des Baugrunds durch das Straßenkinderprojekt MCFpanairobi und von anderen Landbesitzern bezeugen, gibt es vom NYS bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine offizielle Stellungnahme.

Im dem selben Gebiet, dass dem Erdboden gleich gemacht werden soll, stehen zwei Krankenhäuser. Eines ist ein privates Krankenhaus mit 30 Betten, das andere ist durch die „German Doctors“ unterstützt und betreut vor allem HIV Patienten. Täglich suchen mehr als hundert Menschen das Krankenhaus auf um dort medizinische Hilfe zu bekommen.

Drei Primarschulen mit insgesamt 550 Kindern und ein College für technische Berufe in Mathare North sind von der Zwangsräumung betroffen. Sechs Kirchen und eine Moschee die von ca. 4000 – 6000 Menschen regelmäßig besucht werden, droht ebenfalls die Zerstörung durch Bulldozer.

Die Sozialarbeiter haben zwar von der Stadtverwaltung ein Schreiben erhalten, dass die Zwangsräumung bis mindestens zum 3. Februar aufgehalten wurde damit die Rechtmäßigkeit des Landbesitzes durch das Gericht überprüft werden kann. Es bleibt zu hoffen, dass auch das NYS darüber informiert wurde und nicht vorschnell vollendete Tatsachen geschaffen werden. Für einen Großteil der dort lebenden Menschen schaut es aber schlecht aus. Das Wenige, was sie besitzen wird in wenigen Tagen zerstört sein, wenn nicht noch ein Wunder passiert.

Dienstag, 18. Januar 2011

Happy new year!

Etwas verspätet aber nun kann ich mich auf das neue Jahr freuen.
Eigentlich hat es ja eh ziemlich fein angefangen, nachdem unsere Weihnachtsüberraschung geglückt ist und wir uns ebenfalls an einigen überraschten Gesichter erfreuen haben können.
Allerdings hat uns kurz nach unserer Rückkehr die mosambikanische Realität wieder eingeholt, die Troubles mit der Stromversorgung sind leider nicht besser geworden.
Für all jene nicht so regelmäßigen Leser und all jene die's schon wieder vergessen haben ein kurzer Rückblick:

Ende September brannte unser Stromzähler ab, fast, als ich ihn widerrechtlich vom Netz nahm und so zum ersten Mal auf Tuchfühlung mit der EDM (Electricidade da Moçambique) gehen musste. Zwei Tage (wau!) nach Meldung wurde der Contador getauscht, allerdings hatte dieses neuartige, elektronisch geregelte Ding nur eine sehr begrenzte Lebensdauer von ca. 4 Wochen. Nach einem 4-tägigen, ganz Beira betreffenden Stromausfall hat der Contador einen bleibenden Schaden davongetragen, nämlich genau dann den Dienst zu verweigern wenn man ihn braucht...
Seit diesem Zeitpunkt, also knappe 2,5 Monate, haben wir tagsüber fast immer Strom. Man hat allerdings fast die Uhr nach dem Zähler richten können, denn täglich um 18:30, grad recht zum Sonnenuntergang, hat dieses depperte Kastl zu spinnen begonnen. Klick-Klack, Strom ein - Strom aus - im Sekundentakt, teilweise nur zwei, drei Stunden, teilweise die ganze Nacht...
Tödlich für Glühbirnen und sonstige Elektrogeräte, das Modem und zahlreiche Glühbirnen haben mittlerweile dran glauben müssen. Strom kommt, Strom geht - bei eingeschaltenem Licht wird man narrisch, kaum gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit ist das Licht für eine Sekunde wieder da und man ist wieder komplett nachtblind wenns wieder dunkel wird.
Gut, manche Leute (uns anfangs eingeschlossen) finden ja ihren Gefallen an einem Candlelight-Dinner, wenn man aber jeden (wirklich jeden!!!) Tag abends ohne Strom dasitzt, kein Internet hat, nicht mal einen Film anschaun kann (mangels Lautsprechern und Akkulaufzeit) und im Schein der Petroleum- und/oder Taschenlampe kocht und isst, naja, dann wirds mit der Zeit wirklich fad. Nicht nur fad sondern auch nervend, ziemlich sogar.

Der Canossagang zur EDM hingegen übertrifft alles Nervige, was ich bisher erlebt hab. Ich hab aufgehört zu zählen, wie oft ich bei der Problemmeldestelle war (letzte Woche jeden Tag außer Dienstag), wie oft ich angerufen hab (irgendwann hatte ich das Gefühl sie kennen meine Nummer und heben absichtlich nicht mehr ab) und vor allem wie oft eines der "Reparaturteams" hier war.
Am Freitag abend um ca. 21:30 war das letzte Team da, nachdem am Donnerstag ein anderes Team die Zuleitung vom Strommast zum Haus überprüt hat. Wir waren beide angesichts der Dunkelheit und des ständigen Klickklacks ziemlich frustriert und hatten bereits die Flasche Glenfiddich aus dem Duty-Free geköpft als doch noch eines der Teams kam - ich hab mit dem Cheffe geredet, ihm die Whiskeyfahne ins Gesichts geblasen und ihm auf portugiesisch richtig was vorgeheult,wie schlechts mir nicht geht und wie scheiße das alles ist und das es einfach mies ist und ich total traurig bin und so weiter und so fort...
Und das hat scheinbar geholfen, denn auf seine Veranlassung kam heute endlich jemand mit einem neuen Stromzähler angetanzt.

Ach, wir sind beide sehr happy über den neuen Zähler und vor allem über die neugewonnen Elektrifizierung unseres trauten Heimes hier, Happy New Year allemiteinander!

Alles Liebe aus dem stickigen, schwülen, aber dank nun wieder funktionierender Klimaanlage wieder erträglichen Beira,

Andreas

Donnerstag, 25. November 2010

Dire (Documento para identificacao e residencia para estrangeiros)

Aktueller Stand: Ich hab immer noch keins. Aber es sieht nicht schlecht aus. Letzte Woche habe ich alle möglichen Kraefte mobilisiert, damit man endlich wiedermal genau über das Problem spricht: wer macht was, bis wann, wo kann man zusammenarbeiten, was muss MULEIDE machen etc. und mit diesem Wirbel (sogar die Chefin aus Wien war dabei = viel Autoritaet) ist es mir gelungen, dass alle Zustaendigen nun mit vereinten Kraeften dem Ziel folgen bis zum 20. Dezember endlich (nach 16 Monaten in Mosambik und nun schon 10 Monate bei Muleide) ein Dire für mich zu organisieren. MULEIDE muss nur noch bestaetigen, dass sie keine Schulden beim INSS (= Sozialversicherung) haben.

Mal sehen, ob dies so leicht zum Beweisen geht. Soweit ich weiß, gibt es, seit ich bei Muleide bin, diesbezüglich Unsicherheiten und Verhandlungen mit dem INSS. Aber manchmal ist es dann auch echt überraschend was es plötzlich – wenn scheinbar gar nichts mehr geht – für mosambikanische Lösungen gibt.

So bekam ich erstmals von der hiesigen Migracao eine Verlaengerung um ganze 60 Tage, nachdem der mosambikanische Konsul in Mutare mir bei meiner letzten Ausreise im September bekannt gegeben hat, dass dies nun das letzte Arbeitsvisum sei, dass er mir ausstellen kann - mehr als sieben geht einfach nicht, da eigentlich nur sechs erlaubt waeren. Der Konsul trug mir außerdem auf, mit dem Direktor der Migracao in Beira persönlich zu reden, da es seiner Ansicht nach eine andere Lösung gibt, ich solle nicht laenger auf Muleide warten. Das siebte Arbeitsvisum, sei aber nicht mehr – da es wie gesagt schon das siebte ist, was eigentlich nicht geht – wie üblich um 30 Tage verlaengerbar.

O.K. So weit so gut.

Mit dieser neuen Information fuhr ich dann zurück nach Beira. Irgendwie sehr froh, dass es endlich eine letzte Frist gibt. Ich bin das Warten auf das Dire einfach schon sowas von satt, genauso wie das Angewiesen sein auf die Freundlichkeit der Beamten und das staendige Ausreisen, um einen neuen Aufenthaltstitel zu erwerben. Bei meiner letzten Reise nach Zimbabwe hab ich gleich vorsichtshalber einen neuen Reisepass in Harare bei der österreichischen Botschaft machen lassen, weil meiner schon beinahe voll ist, mit fast ausschließlich Visas aus Mosambik und Zimbabwe.

Also ging ich gleich am naechsten Tag zur mosambikanischen Einreisebehörde in Beira. Die kennen mich alle schon recht gut. Die Beamten sind immer freundlich und ich hatte auch kein einziges Mal ein schlechtes Erlebnis (von wegen Bestechung oder so). Wenn ich endlich mein fertiges Dire dort abholen werde, bringe ich ihnen mit Sicherheit eine Runde Getränke oder Schokolade mit, als großes Dankeschön, dass sie diesen – meinen – Spießrutenlauf mit soviel Geduld und ausdauernder Freundlichkeit begleitet haben. Aber an diesem Tag wollte ich zum Direktor – Big Boss , also. Da weiß man nie so genau, wer einem da gegenüber sitzen wird. Meistens ein vollbeleibter Mann, der sich in seinem omnipotenten Machtbewusstsein suhlt. So wartete ich auch gleich mal eine gewisse Zeit in einem angenehmen, polsterbezogenen, tiefen Sessel im Empfangsraum seines Sekretaers auf den Moment, wo er mich in sein Zimmer einlassen würde. Der Mann war dann auch ganz o.k. Nelito hatte mich begleitet und die Kommunikation lief dann mehr oder weniger zwischen den Beiden, mit dem Ergebnis, dass die Migracao natürlich nichts machen kann. Muleide muss die notwendigen Dokumente bringen und ich könne nur noch 30 Tage im Land bleiben. Ich war nur froh, dass da wieder so klare Worte waren, die nur das eine heißen konnten: schnelles Handeln seitens Muleide oder klare Tatsachen. Egal wie es am Ende ausgeht, baldige Klarheit ist wie Balsam auf meiner Seele. Doch da habe ich mich zu früh gefreut. Nachdem die Dringlichkeit an Muleide weiterkommuniziert wurde, fand sich eine furchtbar schnelle Lösung: Meirinho, der Koordinator von Muleide besuchte kurzerhand den Direktor persönlich und flugs, da war es plötzlich möglich, mein Visa zu verlaengern, genau um die Zeit die Muleide gedenkt zu benötigen, um mein Dire zu organisieren. Gut. Da hatte Muleide nun weitere 60 Tage Zeit. Weitere 60 Tage des Wartens für mich, dass irgendwer, irgendwas in die richtige Richtung bewegt, wenn möglich weit vor Ablauf der Frist!

Und was ist nun mit der gewonnen Zeit passiert? So genau kann ich´s nicht sagen, da ich nicht direkt involviert bin. Alles was ich tun kann, ist immer wieder mal nach fragen, was gerade gemacht wurde, was noch fehlt, ob ich bald das Dire haben werde, …. Schlicht das, was ich die letzten 16 Monate auch schon gemacht habe, immer mit einem Lächeln und viel signalisierter Geduld.

Geduld, die mir natürlich schon längst in Bezug auf dieses Thema abhanden gekommen ist. Andreas ist einer der wenigen Zeugen, der davon ein Lied singen kann, wie eine Iris aussieht, die vor Aggression und Wut überschäumt und nur noch Flüche kennt.

Seit einem Moment im Juli, wo ich wiedermal den dringenden Impuls verspürte möglichst konstruktiv nach einer Möglichkeit der Beschleunigung des Prozesses zu suchen, kümmert sich auch Nelito unser VOS-Mitarbeiter „intensiver“ um das Problem. Seine Unterstützung von Muleide ging teilweise soweit, dass er die schwangere Sekretärin von Muleide mit dem Auto zu den jeweiligen Behörden brachte. Die besagte Sekretärin und Buchhalterin und für alles Zuständige was irgendwie mit Administration zu tun hat heißt Erika und war auch die ganze Zeit über beauftragt, mein Dire zu organisieren, gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Dr. Cao, der auch für Muleide „arbeitet“. Nachdem mir letzte Woche nach einem Gespräch mit unserer Wiener Chefin wiedermal die ganze Situation überklar bewusst wurde, habe ich wie bereits erwähnt alle Beteiligten zusammengetrommelt, damit wiedermal gscheit miteinander gesprochen wird. Ich hatte irgendwie das Gefühl in den verbleibenden vier Wochen wird nichts mehr passieren, was dem ganzen einen glücklichen Ausgang geben könnte. So nebenbei erwähnte dann auch Meirinho, dass Erika am Vortag ihr Kind bekommen hat und sie zuhause ist. Nelito kann sie aber anrufen, um das Problem zu besprechen, das sich gerade wieder ergeben hat. Später im Gespräch mit meinen Kolleginnen kommen wir zufällig wieder auf das Thema zurück. Eunice macht sich Sorgen, wer jetzt für die Auszahlung der Gehälter zuständig sein wird, da Erika ja nun mal das Recht auf 2 Monate Babyauszeit hat. Aus Eunices Sicht ist da nichts geregelt. Meirinho meinte aber heute wieder, dies sei Abhängig von Erikas Baby, ob Erika arbeitet oder nicht. Es ist also nicht gesagt, dass sie nicht arbeitet.

Ich bin deshalb mehrfach froh, dass Nelito nun die ganze Sache übernommen hat, so muss ich nicht länger warten, ob Erika arbeiten kann und Dr. Cao arbeiten will.

Gestern war ich dann mit Nelito meine Unterschrift beglaubigen lassen. Vorgestern sagte er mir, zum Beglaubigen lassen meines Arbeitsvertrages muss ich persönlich mitkommen und meine Unterschrift abgeben. So fuhren wir gemeinsam hin, genau zwischen zwei und drei Uhr, genauso wie Nelito gesagt hat und nicht in der Früh, wie mir lieber gewesen wäre. Also sind wir um 5 vor halb drei im Amt und werden nicht mehr bedient, weil es schon halb drei ist – da schließt das Amt! Ich kann gerade noch heraushandeln, dass ich am nächsten Tag nicht noch einmal kommen muss, man hat mich ja schon gesehen, was der Beweis ist, dass es mich tatsächlich gibt, eine Unterschrift braucht man daher nicht mehr, ….

Soviel zu Bürokratie auf mosambikanisch.

Ich hoffe ihr habt nun nicht, beim bloßen Lesen die Nerven verloren und hattet Gelegenheit zum Schmunzeln:-).


Im Falle des Dires fällt mir persönlich das Schmunzeln schon etwas schwer, aber ansonsten ist es angesichts mancher umständlicher und langwirriger Prozesse umso wichtiger den Humor zu behalten. Und immer wenn es ganz besonders mühsam wird, ist es plötzlich auch wieder ganz überraschend lohnend, eben wegen der sehr menschlichen und liebenswerten Weise der Mosambikaner selbst.


Ich schicke euch allen lachende und verregnete Grüße (heute hat wie vorhergesagt die Regenzeit begonnen, es gießt wie aus Kübeln vom Himmel)!!


Bis bald, Iris


P.S.: Dem Regen sei dank, dass mein i-Book nun keine äs mehr schreiben kann, weshalb ihr in diesem Text viele aes findet. Etwas später ist dann auch die Löschtaste ausgefallen und alle Curser, sodass ich jetzt auf Andreas Computer schreibe. …..Sieht ganz danach aus, als muss ich mir jetzt auch noch eine Tastatur kaufen, nachdem mein Computer erst letzte Woche durch eine extra aus Österreich gelieferte Festplatte wieder zum Leben erweckt wurde. Davor gab es auch mal das Problem dass ich mir ein neues Netzgerät kaufen musste, weil das alte aufgegeben hat. Das neue – natürlich chinesische Produktion – ist dann auch kurze Zeit später durchgeschmolzen, aber Andreas hat es für mich wieder zusammengeflickt:-). …. Ach, ja! Der Regen kam heute nacht so überraschend und heftig, dass er beim offenen Fenster hereingespritzt ist, wo am Schreibtisch mein i-Book stand. Wahrscheinlich hat sich nun der Staub zwischen die Tasten geklebt.

Aber nun Schluß mit Anekdoten aus Mosambik!

Alles Gute! Bis zum nächsten Mal!

Mittwoch, 24. November 2010

Strand

in den letzten Tagen konnten wir an unserem Hausstrand einige große Vogelschwärme beobachten, hier ein kleiner Mitschnitt:


was ist das bloss...

ein spontaner Schnappschuss:


in letzter Zeit häufen sich die Sichtungen mobiler Popcorn-Standln, schaut so aus als ob ein Jahrmarktsanbieter Konkurs angemeldet hat und die ganzen Popcornröster nach Mosambik verschifft hat.
Neben der Straße Richtung Shoprite, auf dem Gemüsemarkt und kürzlich sogar im ersten Stock auf der Uni hab ich eine dieser Maschinen gesehen - die auf der Uni allerdings nur einmalig im Zuge einer Festivität...


Abraços,

Andreas

Samstag, 30. Oktober 2010

Kein Strom, kein Wasser = viel Zeit

Achtung, dank mehrtägigem Stromausfall hatte ich viel Zeit zum Schreiben. Also zurücklehnen, Cola und Popcorn raus und viel Spaß!


ahhhh....
Manchmal, ja manchmal komme ich auch an die Grenzen meiner Geduld. Wenn mal hinten und vorne alles schiefläuft ists ja noch irgendwie lustig, WIE schief alles laufen kann.
Aber frustrierend wirkt momentan grad diese ständige Wiederholung der gleichen kleinen Probleme, die da wären:
Strom
Wasser
Internet
Auto

Die Arbeit lass ich heut mal außen vor, denn was da alles so schief laufen kann und mit der Zeit an die Substanz geht hab ich eh schon das eine oder andere Mal an anderer Stelle erzählt.

Auch wenn die Stimmung an so einem Tag wie heute ziemlich gedämpft war, so kann sich alles in einem Moment wieder ändern. Gerade eben hat Iris bemerkt, dass unsere zweite Henne grad Nachwuchs fabriziert hat, 8 oder 9 (so genau haben wir sie noch nicht zählen können...) kleine goldene Kücken. Mit den ursprünglich 7 von Henne Nr.1 zählt unser kleiner Geflügelhof nun 15 Kücken und 2 dicke Hennen... afrikanische Zustände halt.

Nun denn, ich nutze die Zeit bis ich auf den Installateur warte dann einfach mit Kückengucken, denn da das Internet in den letzten Wochen kaum länger als 10 Minuten stabil läuft macht Web-Surfen keinen Spaß. Glücklicherweise ist auch gerade Tag, d.h. hell, mit Sonne und so. Denn darüberhinaus gibt’s laut Aussage der Eletrizitätswerke „Probleme mit einer Phase in unserem Viertel“, was den Strom im Sekundentakt kommen und gehen lies.
Dass das nicht besonders gesund für nahezu alle elektrischen Geräte ist, liegt nahe – daher verbrachten wir die letzten beiden Tage mehr oder weniger stromlos.
In diesen Tagen lobe ich unseren Gasherd in den Himmel, so kann man wenigstens ohne Strom kochen, was manch futtergrantigen Löwen in diesem Haus zumindest zeitweise ruhig stellt. Dazu noch ein paar Öllampen und Spielkarten und eine nette Abendstimmung lockert den Ärger etwas auf.


Ein kurzer Exkurs:
Das uns Mitteleuropäern bekannte System der Stromabrechnung funktioniert hier nicht. Anstatt eines Stromliefervertrages mit plombiertem Stromzähler, Bankverbindung und Jahresendabrechnung ist hier ein Credit-System verbreitet, ähnlich wie Telefonwertkarten für Handys.
In unserem Haus hängt im Stiegenhaus ein kleiner Kasten mit Digitalanzeige und Eingabefeld, das das Stromguthaben in kWh anzeigt. An dedizierten Verkaufsstellen, Tankstellen und Geschäften kann man dann unter Angabe der Zählernummer Stromguthaben kaufen und auf diesen Kasten laden (genannt Contador, also so was wie Zähler).

Vor sechs Wochen cirka wach ich am Sonntag früh auf und rieche Kabelrauch, ein schnatterndes elektronisches Geräusch aus eben diesem Contador wirkt auch nicht sonderlich beruhigend und so beschließe ich noch im Halbschlaf, das Kastl aufzumachen weil ich Angst habe das halbe Haus durch Kabelbrand abfackeln zu lassen.
Also Schrauben auf, Plombe runtergerissen (hmm, war das jetzt gut...?) und nachgeschaut. Beim Öffnen des Kastls hört wenigstens das schnatternde Geräusch vermutlich eines Relais auf – der Geruch nach verbrannten Kabeln bleibt.
Strom is weg.

Na toll.

Immerhin am nächsten Tag erreiche ich jemanden bei den E-Werken (der EDM), warte bis Mittag zuhause und gegen 14:00 kommt das erste Team.
Schauen sich das Kastl an und bemerken, dass es geöffnet wurde.
Ja klar, schließlich würde die EDM auch nicht zahlen wenn das Haus abbrennt, oder?
Nein, aber ich darf es nicht aufmachen.
Durch das Öffnen wird automatisch die Stromzufuhr unterbrochen, weil man könnte den Zähler dann ja überbrücken und somit gratis Strom beziehen (wie es angeblich „gelegentlich“ hier vorkommt).
Ich soll zur EDM fahren und muss dort Strafe zahlen. Gut, rein ins Auto und ab in die Baixa.
Was nun kommt war wiedermal Mosambik par excellance.
- Kurz warten, fragen wie geht’s.
- Bekünden dass es einem so schlecht geht weil ja kein Strom da ist, seit Tagen.
- Dass man besorgt war es würde was zu brennen beginnen und man deshalb den Contador geöffnet hat.
- Aber da kann man nix machen, da muss ich jetzt Strafe zahlen.
- Aber warum denn, schließlich war Gefahr im Verzug!
- Na was man da jetzt machen kann?
Hmm, betroffen dreinschauen auf jeden Fall. Nix sagen, abwarten. Dazwischen mit dem Kunden nebenan plaudern der direkt daneben sitzt und darauf wartet, auch seine Leidensgeschichte darlegen zu können.

Wozu ihm der Angestellte der EDM nun auch Gelegenheit gibt, also bedient er ihn kurzermaßen und lässt mich links liegen. Sein Anliegen war relativ schnell erledigt und somit waren wir wieder alleine in dem Büro, woraufhin wir nun Tacheles reden.
- Wie hoch ist die Strafe?
- Kommt drauf an, kann schon einige Tausend Metical kosten (also ein paar Hundert € könnens schon werden), muss man sich anschaun...
Hmm, eine dezente Handbewegung seiner linken Hand in Richtung seiner Geldbörse und mir war klar dass er eine „Ausnahme“ machen kann, wenngleich dieser „Gefallen“ natürlich nicht selbstverständlich ist, und er ja schließlich eine Familie zu ernähren hat und so weiter und so fort – das sagt er zwar alles nicht, ist mir aber nach über 16 Monaten hier sonnenklar.
Und so wandert dezent der Gegenwert von etwa 10€ kleingefaltet unter ein paar Zetteln auf seinem Schreibtisch. Ich hasse diese Bestechung, diese Korruption, umsomehr da dieser Machtmissbrauch einfach widerlich ist. Die 10€ ersparen mir nun stundenlanges Warten auf die Berechnung der Strafe, Freischaltung der Box und was weiß ich für Papierkram – was bleibt ist ein schlechtes Gewissen, das mit dem Frust konkurriert.

Etwa um acht Uhr abends dann kommt ein netter Techniker von der EDM und installiert einen neuen Zähler – dankenswerterweise mit Stromguthaben in der Höhe von ca. 500 MTN also passts irgendwie wieder... Der Techniker hingegen verlangt nix, will auch kein Trinkgeld.

Nun, heute jedenfalls funktioniert der Strom wieder – zumindest hatten wir nun 3 Stunden keine Unterbrechung. (Korrektur, 10 Minuten nach dem Schreiben dieser Zeilen wieder ausgefallen)
Bleibt noch abzuwarten wann (und ob) der Installateur kommt, denn ich hab heut früh festgestellt dass die Wasserschläuche beim Waschbecken undicht sind.
Damit landen wir fast ohne Umschweife beim Thema Wasser.

Hier muss man Anfangs erwähnen, dass es hier eine starke Korrelation zum vorangegangenen Kapitel gibt, denn ohne Strom kein Wasser im zweiten Stock (WC, Dusche) – in der Küche immerhin geht’s meistens auch ohne Strom.
Bisher hatten wir hier nur wenige Störungen, wenn ich auch noch nie so oft einen Installateur gebraucht hab wie in den letzten 16 Monaten (oder selbst Hand angelegt hab).
Am Anfang war laufend der Kanal verstopft, wegen Konstruktionsfehler im Abwassersystem. Abhilfe schaffte die Abgewöhnung der Routine, das Klopapier in der Schüssel zu entsorgen und verstärkt das Bidet zu verwenden.
Einmal musste eine Zufuhrleitung abgedichtet werden, der Hahn in der Küche benötigt wöchentliche Pflege mit einem Gabelschlüssel und die Fugen des Waschbeckens müssen jährlich wegen Schimmelbildung neu gemacht werden. Wenns kein Wasser gibt kommt die berühmt berüchtigte afrikanische Kübeldusche zum Einsatz.
Mal schaun, vielleicht muss ich in den nächsten Tagen dann noch den Hauptwasserhahn abdrehen und mich auf die Suche nach einem Wasserschlauch für das Waschbecken machen.

Nun, die Internetproblemchen kann man eigentlich nicht als existenziell bezeichnen, wenngleich man schon eine gewisse Gewöhnung an die quasi konstante Verfügbarkeit bekommt.
Kurz vor Abflug auf die Ilha zum halbjährlichen Horizont3000-Treffen ist das ADSL-Modem abgebrannt. Ich kann mir den Verweis auf das dicke fette „Made in China“ Symbol nicht verkneifen, aber eindeutige Mitschuld am Ableben des Modems haben sicher auch die Stromausfälle (und dadurch bedingten Stromspitzen beim Einschalten des Netzes). Ein kurzer Seitenhieb auf den ganzen chinesischen Ramsch hier muss dennoch einfach sein.
Jedenfalls haben wir nun wieder ein Modem, mehrwöchige Lieferengpässe der Telefongesellschaft und kein einziges Geschäft in der ganzen Stadt wo es Modems zu kaufen gibt haben uns geholfen das Downloadlimit einzuhalten.

Ihr seht nun liebe Leser, fad wird uns hier sicher nicht. Denn wenn mal in den Projekten die Dinge nicht so schnell vorwärts gehen so beschäftigt uns das Projekt „Leben in Beira“ ohnehin ständig.

In diesem Sinne, ein schönes Wochenende und bis bald mal wieder!

Andreas & Iris


Nachtrag Montag, 01.11.
Allerheiligen, ach ja – wenn der Kalender nicht wäre würde ich es fast übersehen haben. Bei derzeit gefühlten feuchtschwülen 37° wäre ich nicht von selbst drauf gekommen.

Seit heut mittag ist der Strom wieder da... knapp 4 Tage ohne Strom waren eine interessante Erfahrung, aber ist im Endeffekt kaum was anderes als 4 Tage campen, nur dass das Bett gemütlicher ist :-)

Angeblich, so hab ich heute auf der Post erfahren, waren/sind Sabotageakte an der Strommisere der letzten Tage schuld. Der (hier nicht allzu beliebte) President der Nation ist in der Stadt, offenbar wollte ihm jemand die Ankunft vermiesen...

Der Wasserschlauch ist ebenfalls installiert – wenn man nicht so viel Zeit im Internet vertrödelt hat man automatisch mehr Zeit für handwerkliche Experimente.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Auswirkungen der Unruhen

Liebe Leser,

gerade habe einen Newsletter gelesen, dessen Inhalt mich sehr überrascht hat.
Anfang September gab es in einigen Landesteilen, vor allem Maputo und Chimoio, Unruhen über steigende Lebensmittel- und Treibstoffpreise, mehrere Demonstranten wurden von der Polizei im Zuge der Ausschreitungen getötet.
Eine der ersten Maßnahmen der Regierung war nun, dass Handys mit Pre-Paid Wertkarten (vermutlich 90% der im Umlauf befindlichen Telefone) namentlich registriert werden müssen. Bei den Unruhen wurden Streikaufrufe via SMS verbeitet.

Nun aber wurde verlautbart, dass der Industrieminister und der Minister für Landwirtschaft die Konsequenzen zu tragen haben und ihren Sessel räumen müssen.
Moçambique, so im Wortlaut des Newsletters, ist in den letzten 15 Jahren seit Ende des Bürgerkrieges eine falsche Strategie in Landwirtschaft und Industrie gefolgt. Anstatt wie im benachbarten Malawi (oder früher schon in Indien) eine grüne Revolution durch subventionierten Einsatz von Düngemitteln und verbesserte Anbaumethoden im Kleinbäuerlichen Sektor zu forcieren, schlug die völlige Öffnung der Märkte und Privatisierung fehl.
Der scheidende Minister für Landwirtschaft hat sich stets gegen die erfolgreich in Malawi praktizierten Strategien positioniert und statt dessen auf bessere Infrastruktur für die Unterstützung des Privatsektors, den Ausbau des Seehafens hier in Beira um größere Schiffe abfertigen zu können sowie den Aufbau von großen Lagerhäusern für Düngemittel gebaut.

Ob die neuen Minister nun eine Änderung der Strategien angehen werden oder alles beim alten bleibt wird sich zeigen. Eines jedenfalls gibt Hoffnung, dass hier das demokratische System noch so weit intakt ist und die Demonstrationen von der regierenden Partei zur Kenntnis und Handlungsanweisung ernst genommen werden.


Und nun zu den Lokalnachrichten:
Wir sind wieder da!
Nachdem unser Stromzähler kürzlich qualmend und nach Kabelbrand riechend das Zeitliche gesegnet und das ADSL-Modem gleich mit in den elektronischen Tod gerissen hat, wars erstmal einige Zeit finster im Hause. Dank Nachbarschaftshilfe konnten wir zumindest den Kühlschrank kühl halten, bis wir einen neuen Stromzähler bekamen, was relativ schnell ging (2 Tage).
Die TDM (Telecommunicaçoes de Moçambique) aber hatte seit mehreren Wochen kein Modem mehr verfügbar, in der ganzen Stadt war keines aufzutreiben.
Nachdem wir von unserem H3-Seminar auf der Ilha de Moçambique (Bericht und Fotos folgen) zurück gekommen sind, gabs glücklicherweise wieder welche.
Ansonten, im Süden nichts neues :-)

Alles Liebe aus Beira,

Andreas